Die Franzosen verlieren Mölln

... von Heiko Wruck
Dienstag, 28. April 2026




Lassahn/ssr. Die Franzosen waren in Mölln über mehrere Phasen präsent. Für sie war die Stadt wegen ihrer strategischen Lage an der Alten Salzstraße und der Nähe zur Stecknitz-Linie (einer wichtigen Verteidigungslinie) von Bedeutung.

Die Besatzung und „Franzosenzeit“ (1803 - 1813)

Ab 1803 drangen französische Truppen in das Herzogtum Lauenburg ein. Mölln war in dieser Zeit wiederholt von Einquartierungen betroffen. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 wurde die Region fest in das französische Machtsystem integriert. Mölln musste hohe Kontributionen und „Tafelgelder“ für französische Offiziere leisten. Von 1811 - 1813 gehörte Mölln formal zum französischen Kaiserreich (als Teil des Departments der Elbmündung). Französische Gendarmen und Beamte prägten das Stadtbild.

Das Schicksalsjahr 1813

Im Jahr 1813 wurde Mölln zu einem direkten Kriegsschauplatz zwischen den Franzosen (unter Marschall Davout) und den Alliierten (u. a. Russen, Preußen und die Hanseatische Legion). Die Franzosen hielten Mölln und Ratzeburg besetzt, um Hamburg nach Osten hin abzusichern.

Das Gefecht am Hohen Holz vom 12. November 1813 ist das bekannteste Ereignis aus dieser Zeit. Aus Ratzeburg kommende französische Truppen hatten sich in befestigten Stellungen im Waldgebiet „Hohes Holz“ bei Mölln verschanzt. Die Hanseatische Legion griff diese Stellungen an, wurde jedoch unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. An dieses Ereignis erinnert noch heute das Hanseatengrab an der Schmilauer Straße. Am 14. November 1813 gab es erneute Kämpfe, bei denen die Hanseatische Brigade über Schmilau auf Mölln vorrückte.

Der Abzug der Franzosen

Angesichts des massiven Vormarsches russischer Streitkräfte mussten die Franzosen und ihre dänischen Verbündeten am 1. Dezember 1813 ihre Stellungen an der Stecknitz räumen. Sie zogen sich in Richtung Hamburg zurück. Am selben Tag besetzten Truppen der Hanseatischen Legion die Stadt Mölln und die strategisch wichtige Oberschleuse endgültig. Die Franzosen waren mit Unterbrechungen von 1803 bis Ende 1813 in Mölln präsent, wobei die intensivste militärische Phase im November 1813 stattfand.

Historischer Hintergrund

Die Stadt Mölln litt massiv unter den französischen Einquartierungen. Die Bürger mussten französische Soldaten in ihren Häusern verpflegen. Hinzu kam, dass durch die Kontinentalsperre der Handel zum Erliegen kam. Das vergrößerte die wirtschaftliche Not. Mölln gehörte zum Département des Bouches de l’Elbe (Departement der Elbmündungen). Es wurden französische Gesetze (Code Civil) und das metrische System eingeführt.

Möllner Wagenburg (März 1813)

Die Möllner Stadtchronik sowie die Berichte über die Hamburger Franzosenzeit belegen ein sehr konkretes und dokumentiertes Ereignis aus dem Jahr 1813 für die Stadt Mölln. Im März 1813, kurz nach Napoleons Desaster in Russland, herrschte in Norddeutschland Aufbruchstimmung. In Mölln kam es dabei zu einem dokumentierten Vorfall, der die angespannte Lage zwischen Bürgern und Besatzern zeigt. Als die französische Verwaltung (die Douaniers/Zöllner und Gendarmen) versuchte, hastig Akten, beschlagnahmte Güter und Privatbesitz auf Wagen zu laden, um vor den herannahenden Tettenbornschen Kosaken nach Hamburg zu fliehen, blockierten Möllner Bürger die Straßen. Es ist belegt, dass Möllner Handwerker und Fuhrleute die Pferde ausspannten und die Wagenräder demontierten, um den Abtransport des „Raubgutes“ zu verhindern. Die französischen Beamten waren in dieser Phase so verunsichert, dass sie (anders als in den Vorjahren) nicht mehr mit Erschießungen reagierten, sondern die Wagen stehen ließen und zu Fuß flohen. Dieser Moment markierte das Ende der französischen Zivilverwaltung in Mölln.Wenige Tage später zogen die ersten russischen Kosaken und die Vorhut der Lützower Jäger unter großem Jubel der Möllner Bevölkerung in die Stadt ein.

Ehrendes Gedenken dreier Möllner Bürger

Laut lokaler Erinnerung werden die Möllner Bürger Johann Joachim Beckmann, Heinrich Christian Burmester und Johann Friedrich Wulff mit einer Gedenktafel für ihren Einsatz geehrt, mit dem sie die Zerstörung der Möllner Stadtbrücke am Wassertor (damals noch aus Holz, heute aus Beton) verhindert haben. Beckmann und Burmester waren Schmiedemeister. Wulff war Zimmergeselle. Sie sollen am 1. Dezember 1813 unter Einsatz ihres Lebens verhindert haben, dass zurückziehende französische Truppen die Brücke zerstörten, um ihre Verfolgung zu erschweren. Die damalige Holzbrücke sollte in Brand gesetzt werden. Mölln lag damals an der strategisch wichtigen Stecknitz-Linie. Die Franzosen versuchten, die Brücken hinter sich zu vernichten, um den Vormarsch der Alliierten zu stoppen. Während die Brücken in Ratzeburg tatsächlich niedergebrannt wurden, konnten die Möllner Bürger durch ihr Eingreifen verhindern, dass ihre Stadt denselben Schaden erlitt. Johann Friedrich Wulff (Zimmergeselle) war derjenige, der bei der Aktion getötet wurde. Er wurde von französischen Soldaten (nach einigen Berichten durch Bajonettstiche oder Schüsse) tödlich verletzt. Heinrich Christian Burmester (Schmiedemeister) wurde bei dem Kampf schwer verwundet, aber überlebte das Gefecht.
Johann Joachim Beckmann (ebenfalls Schmiedemeister) hatte das Gefecht glimpflicher überstanden als seine Kameraden.

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