Rehna nicht mehr im Schatten ihrer Nachbarn

... von Heiko Wruck
Sonntag, 19. April 2026

Erwachen als Klosterstadt

Rehna/ssr. Es war ein Moment, der Jahrhunderte überbrückte, als Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel am 25. März 2026 gemeinsam mit Bürgermeister Martin Reininghaus den offiziellen Titel „Klosterstadt Rehna“ präsentierte.

Ein Titel, der Geschichte atmet

Was nach einer bürokratischen Formalität klingt, ist in Wahrheit die Krönung einer Identitätssuche. Einst pulsierte hier in Rehna das Leben hinter dicken Klostermauern; ein religiöses und kulturelles Zentrum, das die Region über Generationen hinweg prägte. Dass der Weg zum neuen Titel kein Alleingang war, zeigt der einstimmige Beschluss der Stadtvertreter aus dem Jahr 2025. Das Ziel ist klar definiert: Rehna will raus aus dem Schatten der Nachbarstädte und sich als Leuchtturm des Kulturtourismus in der Schaalsee-Region positionieren.

Schatten der Vergangenheit

Doch die Geschichte Rehnas ist nicht nur von Weihrauch und Gebeten geprägt. Wer durch die heute aufwendig sanierte Altstadt am linken Ufer der Radegast spaziert, muss auch an die dunklen Kapitel denken. Zwischen 1595 und 1684 war die Idylle ein Ort des Grauens. Unter dem Wahn der Hexenverfolgung verloren hier mindestens elf Menschen ihr Leben. Ein besonders erschütterndes Schicksal ereilte 1668 Ilse Klink. Die Bürgermeisterswitwe hielt der grausamen Folter lange stand, bevor sie in den Flammen starb. Ihr Andenken ist ein Mahnmal gegen die Intoleranz, das bis heute in der lokalen Historie nachhallt.


Übersicht über die Klosteranlage Rehna. Foto: Heiko Wruck

Von hessischen Siedlern zur modernen Landstadt

Die Wurzeln Rehnas reichen tief in das 12. Jahrhundert zurück, als Siedler aus Hessen hier eine neue Heimat fanden. Im Jahr 1237 erfolgte die offizielle Bestätigung des Klosters durch Bischof Ludolf I. Mit der Reformation kam die Umwandlung der Klosteranlage zu einen Rückzugsort für herzogliche Witwen. 1791 erhielt Rehna Stadtrecht.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 flossen viel Schweiß und Geld in das Fundament der Stadt, um die historischen Fassaden und das Klostergelände zu retten. Heute präsentiert sich Rehna, gelegen im strategischen Dreieck zwischen Lübeck, Schwerin und der Ostsee, als modernes Grundzentrum, dessen Sanierung weitgehend vollendet ist. Mit dem neuen Beinamen „Klosterstadt“ schließt sich nun der Kreis. Die Mauern sind nicht mehr nur stumme Zeugen einer fernen Epoche – sie sind das neue Aushängeschild einer alten Stadt, die ihre Wurzeln selbstbewusst nach außen trägt.


Blick auf die Stadt Rehna und das Kloster. Foto: Heiko Wruck