Schaalsee so schwer wie 2,4 Millionen Blauwale
... von Heiko Wruck
Mittwoch 15. April 2026
Das Volumen
Lassahn/ssr. Der Schaalsee ist mit einer maximalen Tiefe von rund 72 Metern der tiefste See Norddeutschlands. Sein Gesamtwasservolumen beträgt circa 359 Millionen m³. Die Dichte von Süßwasser beträgt unter Standardbedingungen bei 1 m³ fast exakt 1 Tonne (1.000 kg). Da 1 m³ Süßwasser bei einer Dichte von p = 1.000 kg/m³ genau eine Tonne wiegt, ergibt sich für den Schaalsee ein Gesamtgewicht von 359.000.000 Tonnen: in Kilogramm: 359 Milliarden kg.
Da der Schaalsee durch den Schaalsee-Kanal und die Bundeswasserstraße (Elbe-Lübeck-Kanal) reguliert wird, variiert das tatsächliche Volumen je nach Jahreszeit und Niederschlag. Der Schaalsee selbst ist zwar keine Bundeswasserstraße (er steht unter strengem Naturschutz und ist Teil eines Biosphärenreservats), aber er ist über ein ausgeklügeltes System direkt mit diesem Netz verbunden.
Der Schaalsee-Kanal
Dieser künstliche Kanal wurde in den 1920er Jahren gebaut, um Wasser aus dem Schaalsee zum Kraftwerk Farchau zu leiten. Die Verbindung: Das Wasser fließt vom Kraftwerk weiter in den Küchensee und den Ratzeburger See. Von dort aus gelangt es über die Wakenitz oder künstliche Ableitungen indirekt in Richtung des Elbe-Lübeck-Kanals.
Der Elbe-Lübeck-Kanal
Der Elbe-Lübeck-Kanal ist eine wichtige Bundeswasserstraße, die die Elbe bei Lauenburg mit der Trave bei Lübeck verbindet. Das Wasser aus dem Schaalsee wird zur Regulierung der Wasserstände im Kanal und zur Energiegewinnung im Kraftwerk Farchau genutzt.
Warum das wichtig für das Gewicht ist
Weil der Schaalsee als „Wasserspeicher“ für dieses System dient, wird sein Wasserstand (und damit das Volumen/Gewicht) künstlich reguliert. Wenn im Elbe-Lübeck-Kanal oder im angeschlossenen im Kraftwerk Farchau Wasser benötigt wird, kann der Pegel des Schaalsees um einige Zentimeter gesenkt werden – was bei der riesigen Fläche des Sees sofort Millionen Tonnen an Gewicht ausmacht. Der See fungiert damit quasi als die „Batterie“ (in Form von Wasser) für die Schifffahrt und Stromerzeugung in der Region.
Der Sattelschlepper-Vergleich
Mit dem Wasser des Schaalsees könnte eine Lkw-Schlange (40-Tonner) entstehen, die die Erde mit 236.940 km fast sechsmal (genau genommen 5,9-mal) am Äquator umspannt. Die Vorstellung, dass das Wasser eines einzigen norddeutschen Sees eine Blechlawine bis fast zum Mond (der ist ca. 384.400 km entfernt) auslösen könnte, ist gewaltig.
Der Blauwal-Vergleich
Das größte und schwerste Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat, ist der Blauwal (Balaenoptera musculus). Obwohl wir oft an riesige Dinosaurier denken, übertrifft der heute lebende Blauwal sie alle in puncto Masse bei Weitem. Ein ausgewachsener Blauwal wiegt im Durchschnitt etwa 100 bis 150 Tonnen. Besonders große Exemplare können jedoch bis zu 200 Tonnen (200.000 kg) erreichen. Allein die Zunge eines Blauwals wiegt etwa 2,7 Tonnen – das ist so viel wie ein ausgewachsener afrikanischer Waldelefant. Sein Herz ist etwa so groß wie ein Golfkarren und wiegt rund 600 kg. Blauwale werden meist zwischen 25 und 30 Meter lang. Der Rekord liegt bei etwa 33 Metern. Ein Blauwal-Kalb wiegt bei der Geburt bereits 2,5 Tonnen und nimmt in den ersten Monaten täglich etwa 90 kg zu (nur durch Muttermilch!). Wenn wir ein Durchschnittsgewicht von 150 Tonnen für einen ausgewachsenen Blauwal annehmen, dann wären rund 2.393.333 Blauwale nötig, um dasselbe Gewicht wie der Schaalsee auf die Waage zu bringen. Da es schätzungsweise nur noch etwa 10.000 bis 25.000 Blauwale weltweit gibt, bräuchte man die gesamte Weltpopulation mal hundert, um auch nur annähernd an dieses Gewicht heranzukommen.
Der Pflanzen-Vergleich
Wenn wir von der schwersten Pflanze der Erde sprechen, müssen wir zwischen einem Einzelbaum und einem klonalen Koloniewesen unterscheiden. Das schwerste Lebewesen der Welt sieht aus wie ein ganzer Wald, ist aber genetisch betrachtet nur eine einzige Pflanze. Der schwerste Organismus der Erde ist eine Kolonie von Zitterpappeln (Populus tremuloides) im US-Bundesstaat Utah, die den Namen Pando (Lateinisch für „ich verbreite mich“) trägt. Dieser Organismus hat ein Gewicht von circa 6.000 Tonnen. Was aussieht wie ein Wald aus 47.000 einzelnen Bäumen, ist in Wahrheit ein einziges riesiges, unterirdisches Wurzelnetzwerk. Alle Stämme sind genetisch identische Klone. Das Alter dieser Kolonie von Zitterpappeln wird auf etwa 80.000 Jahre geschätzt. Um das Gewicht des Schaalsees (359.000.000 Tonnen) mit dieser Pflanzen aufzuwiegen, wären knapp 60.000 Pando-Kolonien nötig.
Der schwerste Einzelbaum
Wenn wir nach einer Pflanze suchen, die als ein einziger, massiver Stamm aus der Erde ragt, dann ist es der „General Sherman“ (Riesenmammutbaum) im Sequoia-Nationalpark in Kalifornien. Sein Gewicht beträgt ungefähr 2.000 Tonnen (das entspricht etwa 13 bis 20 Blauwalen). Volumen: Er hat ein Stamminhalt von etwa 1.487 m³. Über 179.500 Exemplare des General Sherman brächten etwa dasselbe Gewicht wie der gesamte Schaalsee (359.000.000 Tonnen) auf die Waage.
Zwei dicke Brocken
Der schwerste „Einzelfels“ der Erde ist ein Gigant, bei dem die Definitionen zwischen Geologie und allgemeiner Wahrnehmung etwas schwanken. Man muss hier zwei Rekordhalter unterscheiden
Der schwerste „Monolith“: Uluru (Ayers Rock)
Der Uluru in Australien gilt als der größte Inselberg und der bekannteste Monolith (ein einzelner, kompakter Gesteinsblock) der Welt. Er besteht aus Arkose-Sandstein. Sein Gewicht (oberirdisch) beträgt 1,425 Milliarden Tonnen. Aber das ist nur der Teil, den wir sehen. Wie ein „Land-Eisberg“ reicht der Uluru noch mehrere Kilometer tief in die Erde. Würde man den unterirdischen Teil mitzählen, wäre das Gewicht um ein Vielfaches höher. Der oberirdische Uluru wiegt also etwa viermal so viel wie das gesamte Wasser des Schaalsees.
Der größte „Fels“: Mount Augustus
Oft wird fälschlicherweise der Uluru als der absolut größte Fels bezeichnet, doch der Mount Augustus (ebenfalls in Australien) ist flächenmäßig etwa doppelt so groß. Da er etwa zweieinhalbmal so groß ist wie der Uluru, lässt sich seine Masse auf über 3 Milliarden Tonnen schätzen. Der Haken: Geologisch gesehen ist er kein Monolith, sondern eine sogenannte Monokline. Das bedeutet, er besteht aus verschiedenen Gesteinsschichten, die aufgefaltet wurden. Er ist also eher ein „Berg aus einem Guss“ als ein einzelner Steinbrocken. Damit ist der Mount Augustus ist etwa 8,36-mal schwerer als das gesamte Wasser des Schaalsees.
Der schwerste „bewegte“ Fels
Der schwerste Fels, den Menschen jemals bis 2026 bewegt haben, ist der „Donnerstein“ (der Sockel des Bronzenen Reiters in St. Petersburg). Er wiegt ca. 1.250 bis 1.500 Tonnen. Der Stein wurde zwischen 1768 und 1770 bewegt. Er wurde im Wald von Lachta (nahe St. Petersburg) gefunden. Ursprünglich wog der Monolith sogar rund 1.500 Tonnen, verlor aber durch die Bearbeitung vor Ort etwas an Gewicht, bevor er seine Reise antrat. Da es damals keine Maschinen für solche Lasten gab, erfand der Ingenieur Marinos Carburis ein System aus bronzene Kugeln in Metallschienen. Der Stein wurde quasi wie auf einem riesigen Kugellager von über 400 Männern bewegt. Der „Donnerstein“ wurde über Land bis zum Finnischen Meerbusen geschleift und dann auf einem speziell konstruierten Prahm (einem flachen Schiff) nach St. Petersburg transportiert. Die Landstrecke, die der Donnerstein zurücklegte, betrug etwa 6 bis 10 Kilometer (je nach Quelle zwischen 6 km und 10 km Luftlinie bzw. tatsächlichem Weg). Der Transport begann im November 1769 und dauerte bis zum Erreichen des Ufers im März 1770. An guten Tagen schafften die vierhundert Arbeiter etwa 150 bis 300 Meter. Wenn der Boden zu weich war oder Hindernisse auftauchten, waren es oft nur wenige Meter. Der Ingenieur Marinos Carburis entschied sich bewusst für den Winter. Der tonnenschwere Koloss wäre im weichen, sumpfigen Boden der Region um St. Petersburg sofort versunken. Man wartete, bis der Boden tiefgefroren war, um eine stabile Unterlage für die Metallschienen zu haben.
Hätte man die 287.200 „Donnersteine“, die man bräuchte, um das Gewicht des Schaalsees aufzuwiegen, alle über diese 8 km lange Landstrecke transportieren wollen, hätte die Menschheit (bei gleichem Tempo wie damals) etwa 215.000 Jahre lang zu tun gehabt.
Der Druck am tiefsten Punkt
Am tiefsten Punkt des Schaalsees (72 Meter) lastet ein Druck von etwa 8,08 bar. Das entspricht einer Belastung von etwa 82,4 Tonnen pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Das ist etwa achtmal so viel Druck, wie wir ihn an der Wasseroberfläche erleben. Da der Schaalsee der tiefste See Norddeutschlands ist, sind dies die extremsten Druckverhältnisse, die man in einem natürlichen Gewässer dieser Region finden kann.