Stintenburg: Insel, Gut und Dorf

... von Heiko Wruck
Donnerstag, 23. April 2026


Das Dorf Stintenburg blickt auf eine viele Jahrhunderte währende Siedlungsgeschichte zurück. Foto: Heiko Wruck

Als Insel kaum noch wahrnehmbar

Lassahn/ssr. Stintenburginsel ist eine bewohnte Insel im Schaalsee und im Besitz der Familie von Bernstorff. Sie gehört zur Gemeinde Zarrentin am Schaalsee im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Ihre Ausdehnung beträgt 400 Meter in der Länge und 190 Meter in der Breite. Ihre Oberfläche misst circa fünf Hektar. Stintenburginsel liegt im östlichen Teil des Schaalsees. Sie grenzt an den Lassahner See im Norden und Borgsee im Süden. Als Insel ist Stintenburginsel heute nicht mehr wahrnehmbar. Im 14./15. Jahrhundert hatte Herzog Erich V. von Lauenburg das Dorf Lassahn mit Stintenburginsel und der Insel Kampenwerder über einen festen Damm verbunden. Kampenwerder ist die größte Insel im Schaalsee.


Ein Rundgang auf der Insel Kampenwerder im Schaalsee führt auch durch das alte Dorf Stintenburg. Hier gibt es viele beschauliche Flecken mit alter und leider verfallenen Bebauung. Dorf und Insel haben einen sehr eigenen Charme. Foto: Heiko Wruck

Wechselnde Verhältnisse auf Kampenwerder

Auf der Insel Kampenwerder liegt auch das Dorf Stintenburg. Das Gut Stintenburg, zu dem auch das Dorf gehörte, hatte eine wechselvolle Geschichte seiner Besitzverhältnisse. Erst 1740 wechselten Gut und Dorf in den Besitz der Familie von Bernstorff. Die von Bernstorffs blieben die Gutsherren bis ins 20. Jahrhundert. Der deutsche Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock hielt sich im Jahr 1767 auf Stintenburginsel auf. Dort verfasste er seine Ode Stintenburg. 1943 wurde der Gutsherr Albrecht Graf von Bernstorff von den Faschisten verhaftet. Ihm wurde die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen. Graf Albrecht von Bernstorff wurde in den letzten Kriegstagen von der Gestapo in Berlin-Moabit ermordet.


Das Herrenhaus der Familie von Bernstorff. Foto: Heiko Wruck

Enteignung und Rückgabe

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen britische Besatzungstruppen die gesamte Region um Lassahn, einschließlich der Insel Kampenwerder und Stintenburginsel. Mit dem Gadebuscher Vertrag am 13. November 1945 ging der Besitz im Rahmen eines Gebietsaustausches in die sowjetische Besatzungszone. Dort wurde die Gutsbesitzerfamilie von Bernstorff im Rahmen der Bodenreform enteignet. Später übernahmen Neubauern den Gutsbetrieb. Ihnen folgte ab 1952 die Deutsche Grenzpolizei der DDR und ab 1961 die Grenztruppen der DDR. Das Herrenhaus der Familie von Bernstorff auf Stintenburginsel wurde in den Jahren danach von der Hauptabteilung I des Ministeriums für Staatssicherheit für die Ausbildung einer geheimen Elitetruppe für die Grenztruppen der DDR genutzt. Anfang der 1970er Jahre wurde dort die Zentralschule für die Grenzaufklärer eingerichtet.


Stintenburg mit der Einheitseiche. Foto: Heiko Wruck

Moderne Bewirtschaftung mit natürlichem Flair

Seit 1993 ist das Herrenhaus auf Stintenburginsel wieder im Besitz der Familie von Bernstorff. 1997 übernahm sie auch wieder das Gut Stintenburg in ihren Besitz. Herrenhaus und Gut werden heute von der Familie von Bernstorff bewohnt und bewirtschaftet. Kampenwerder, Stintenburginsel und Lassahn befindet sich im Biosphärenreservat Schaalsee und unterliegen dessen besonderen Schutzbestimmungen.


Das Brückenhaus auf Stintenburginsel wurde liebevoll restauriert und wird als Feriendomizil vermietet. Foto: Heiko Wruck