Tour 2: Kirchen und Klöster
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... von Heiko Wruck
Sonntag, 26. April 2026
Lassahn/ssr. Hier ist eine wunderbare Tour für die erweiterte Schaalsee-Landschaft für Auto-Begeisterte zu den sakralen Bauten der Schaalsee-Region. Die gesamte Strecke umfasst ≈ 100 Kilometer. Die reine Fahrzeit beträgt circa zwei Stunden auf gut ausgebauten Straßen, die auch mal abschnittsweise etwas holprig sein können.
Stationen dieser Tour sind:
● Zarrentin am Schaalsee
● Lassahn
● Gadebusch
● Rehna
● Carlow
● Ratzeburg
● Mölln
Am Ufer des Schaalsee erhebt sich ein Bauwerk, dessen Geschichte wie ein verdichtetes Kapitel norddeutscher Vergangenheit wirkt: das ehemalige Kloster von Zarrentin. Foto: Heiko Wruck
● Zarrentin am Schaalsee
Seinen Anfang nimmt alles im Jahr 1246. Die adlige Stifterin Audacia und ihr Sohn, der spätere Graf Gunzelin III. von Schwerin, gründen ein Zisterzienserinnenkloster – zunächst ohne festen Standort. Erst Jahre später, 1251, gelingt der entscheidende Schritt: Durch einen Tausch wird der Weg frei, das Kloster nach Zarrentin zu verlegen. Ein Jahr darauf bestätigt Bischof Friedrich von Ratzeburg offiziell die Stiftung. Die bereits bestehende Pfarrkirche wird zur Klosterkirche umgewidmet – das geistliche Zentrum ist gefunden.
In den folgenden Jahrhunderten entwickelt sich das Kloster zu einem respektierten, wenn auch nicht übermäßig wohlhabenden religiösen Ort. Es verfügte zeitweise über 21 Dörfer und 9 Mühlen (weitere Dörfer waren abgabepflichtig und lieferten Geld oder Naturalien), betrieb Landwirtschaft, Brauerei und Gärten. Vor allem aber diente es als Bildungsstätte für Töchter des Adels und wohlhabender Lübecker Familien. Das Zarrentiner Zisterzienserinnenkloster verfügte im Laufe seiner Geschichte über einen durchaus beachtlichen, wenn auch nicht außergewöhnlich großen Besitz. Insgesamt lässt sich sagen: Das Kloster hatte direkten Besitz an mindestens 30 wirtschaftlichen Einheiten (Dörfer + Mühlen) und zusätzlich Einnahmen aus weiteren Ortschaften, die nicht vollständig in seinem Eigentum standen. Damit lag es im regionalen Vergleich im soliden Mittelfeld – ausreichend, um wirtschaftlich zu bestehen, aber ohne die große Macht und den Reichtum bedeutenderer Zisterzienserklöster.
Um 1460 erhielt die Anlage ihr prägendes Gesicht. Mit Hilfe von Ablassgeldern entstand ein gotisches Langhaus, das bis heute mit seinem Kreuzrippengewölbe beeindruckt. Doch die Blütezeit währt nicht ewig. Mit der Reformation beginnt der Niedergang. Auf Befehl von Johann Albrecht I. von Mecklenburg wird das Kloster 1552 säkularisiert und ein Jahr später endgültig aufgelöst. Die Besitztümer fallen an das herzogliche Domanium. Den Nonnen bleibt nur ein Rest an Würde. Sie dürfen bis zu ihrem Lebensende im Kloster wohnen und erhalten Nutzungsrechte für Gärten und Brennholz. 1578 lebte hier nur noch eine letzte Nonne. Sie hieß Margareta Pentz. Die Familie von Pentz war ein bekanntes Adelsgeschlecht in Mecklenburg, dessen Mitglieder häufig in Klöstern vertreten waren. Ganz sicher belegt ist ihre genaue Herkunft jedoch nicht.
Die Anlage verfällt zusehends. Teile der Gebäude werden abgerissen, übrig bleibt vor allem der Ostflügel. Gleichzeitig gerät die Region in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das Amt Zarrentin wird über lange Zeit verpfändet. Der Dreißigjährige Krieg bringt zusätzlich Verwüstung, Hunger und Tod. Auch danach bleibt die Stadt von Unglücken nicht verschont: Mehrere Großbrände im 17. und 18. Jahrhundert zerstören Zarrentin fast vollständig. Erst 1672 gelingt zumindest die Wiederherstellung der Kirche samt Turm.
Jahrhunderte später wendet sich das Blatt erneut. Nach der deutschen Wiedervereinigung beginnt ab 1991 eine umfassende Sanierung der Stadt. Das einst verfallene Kloster wird gerettet – und erhält eine neue Rolle. Heute beherbergt es die Stadtverwaltung, eine Bibliothek und dient als kultureller Treffpunkt für Ausstellungen, Konzerte und sogar Trauungen. So ist aus einem mittelalterlichen Frauenkloster ein lebendiger Ort geworden – und ein stiller Zeuge dafür, wie Geschichte sich immer wieder neu erfindet.
● Lassahn
Die St.-Abundus-Kirche in Lassahn stammt aus dem 13. Jahrhundert (bereits1230 vorhanden). Die idyllische Feldsteinkirche auf einer Anhöhe beitet einen schönen Blick auf den Schaalsee. Der Ortsname kommt aus dem Wendischen und bedeutet frei übersetzt „Waldbewohner“. Im 17./18. Jahrhundert erhielt die Kirche ihre Fachwerkanbauten sowie einen Turm. Das Altarbild stammt aus dem Jahr 1898. Bei einer Siegesfeier 1945 hatten britische Soldaten die goldene Kugel mit dem Hahn von der Kirchturmspitze geschossen. Erst 1980 wurde die neue Kugel mit Hahn wieder auf die Turmspitze aufgesetzt.
Die idyllische Feldsteinkirche Sankt Abundus in Lassahn auf einer Anhöhe beitet einen schönen Blick auf den Schaalsee. Foto: Heiko Wruck
● Gadebusch
Gadebusch ist eine Kleinstadt im Landkreis Nordwestmecklenburg im Westen Mecklenburg-Vorpommerns. Die Stadt auch ist Verwaltungssitz des Amtes Gadebusch, dem weitere sieben Gemeinden angehören. Die Stadt liegt nördlich des Quellgebietes der Radegast, die über die Stepenitz und Trave in die Ostsee fließt. Sie befindet sich auf halbem Wege zwischen Lübeck und Schwerin und ist Teil der Metropolregion Hamburg.
Zur Stadt Gadebusch gehören heute die Ortsteile:
● Buchholz
● Dorf Ganzow
● Ganzow
● Güstow
● Klein Hundorf
● Möllin
● Neu Bauhof
● Reinhardtsdorf
● Stresdorf
● Wakenstädt
Das Gadebuscher Rathaus entstand ab 1340, wurde 1618 weitgehend erneuert mit dem Hauptgiebel und der Gerichtslaube sowie der neuen Rückfront und ab 1991 grundlegend saniert. Ein am Rathaus angebrachtes Vollwappen von 1618 zeigt im gespaltenen Schild vorn den mecklenburgischen Stierkopf, hinten einen ausgerissenen Lindenbaum. Foto: Heiko Wruck
Der Name der heutigen Stadt Gadebusch führt weit zurück in die Zeit der slawischen Besiedlung. Ursprünglich bezeichnete er den „Ort des Chotěbud“ – benannt nach einer Person dieses Namens. Erste Spuren tauchen Ende des 12. Jahrhunderts auf: Im Isfriedschen Teilungsvertrag von 1194 wird die Gegend als „provincia Godebuz“ erwähnt. Wenige Jahre später, um 1210, erscheint der Name dann erstmals als konkrete Ortsbezeichnung. Auch ein Stadtsiegel aus dem Jahr 1225 trägt bereits diese frühe Namensform. Parallel dazu existierten Varianten wie „Chotebuz“, bevor sich die Schreibweise im Laufe der Jahrhunderte über „Godebusch“ (1358) schließlich zu „Gadebusch“ (1514) wandelte.
Doch die Geschichte des Ortes reicht noch weiter zurück. Archäologische Hinweise deuten darauf hin, dass bereits im 8. Jahrhundert ein Burgwall der Abodriten existierte. Neben dieser Befestigung entwickelte sich eine Siedlung – gut geschützt auf einem Hügel, umgeben von Sümpfen und Seen. Diese Lage bot strategische Vorteile und machte den Platz früh bedeutsam. Im frühen 12. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Einflussbereich der Polaben, eines Teilstammes der Abodriten.
Ein dramatisches Ereignis markiert das Jahr 1225: Nikolaus II., der damalige Herr von Gadebusch, kam bei einem Sturz von der Burg ums Leben. Zur gleichen Zeit nahm die Entwicklung des Ortes Fahrt auf. Im Zuge der deutschen Ostsiedlung wurden Gadebusch sowie die umliegenden Orte Ganzow und Möllin – damals als Ganzowe und Malin bekannt – neu strukturiert und besiedelt. Ebenfalls 1225 erhielt Gadebusch das Stadtrecht nach lübischem Vorbild – ein entscheidender Schritt, der den Ort dauerhaft auf die Landkarte der mittelalterlichen Städte setzte.
Die Gadebuscher Stadtkirche St. Jakob und St. Dionysius ist eine der ältesten Hallenkirchen der Backsteingotik im Nordwesten Mecklenburgs. Foto: Heiko Wruck
Wer sich der Stadtkirche St. Jakob und St. Dionysius nähert, blickt auf ein Bauwerk, das die Zeiten überdauert hat – und dabei selbst zur Chronik aus Backstein geworden ist. Um 1210 begonnen, noch ganz im Geist der späten Romanik, entwickelte sich der Bau im Laufe der Jahrzehnte zu einer der frühesten Hallenkirchen der norddeutschen Backsteingotik. Drei Schiffe spannen sich unter einem gemeinsamen Dach, getragen von der Idee eines offenen, lichtdurchfluteten Raumes – ein Konzept, das in Norddeutschland Maßstäbe setzte. Erst im frühen 14. Jahrhundert erhielt die Kirche ihren Turm, der bis heute das Stadtbild prägt. Ein Jahrhundert später setzte ein königlicher Akzent ein: 1420 ließ die schwedische Königin Agnes an der Nordseite des Langhauses eine Marienkapelle errichten – ein sichtbares Zeichen der engen Verbindungen über die Ostsee hinweg. Die bewegte Geschichte des Gotteshauses wurde im 20. Jahrhundert wieder greifbar. Bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1955 traten unter späteren Übermalungen überraschend farbige Zeugnisse aus dem 13. Jahrhundert hervor. Freigelegt wurden detailreiche Ornamente, Tierdarstellungen und eine eindrucksvolle Figur des heiligen Christophorus – ein Fenster in die mittelalterliche Vorstellungswelt.
Auch die Ausstattung im Inneren erzählt von Kunstfertigkeit und Repräsentation: Im Zentrum steht eine bronzene Tauffünte aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, meisterhaft im Gussverfahren gefertigt. Hinzu kommen ein großformatiges Gemälde aus dem 16. Jahrhundert mit Mitgliedern des schwedischen Königshauses, kunstvolle Messingkronleuchter aus dem Jahr 1582 sowie zahlreiche Wandarmleuchter aus Renaissance und Frühbarock. Gemeinsam formen sie ein Ensemble, das die Kirche nicht nur als Ort des Glaubens, sondern auch als Schatzkammer norddeutscher Kulturgeschichte erscheinen lässt.
Bautafel vor dem Gadebuscher Schloss in 2026: Das Schloss Gadebusch auf dem Schlossberg ist ein typisches Beispiel norddeutscher Backsteinrenaissance, entstanden von 1570 bis 1573 auf einer slawischen Ringwallburg. Am 13. November 1945 wurde im Gadebuscher Schloss das folgenreiche Barber-Ljaschtschenko-Abkommen zur Grenzbereinigung zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein unterzeichnet. Foto: Heiko Wruck
● Rehna
Zwischen sanften Hügeln im Westen von Mecklenburg liegt die Kleinstadt Rehna – unscheinbar auf den ersten Blick, aber mit einer zentralen Rolle für die Region. Als Verwaltungssitz bündelt sie die Geschicke eines ganzen Amtsbereichs, zu dem neben der Stadt selbst noch zehn umliegende Gemeinden gehören.
Organisatorisch ist Rehna damit ein wichtiger Knotenpunkt im ländlich geprägten Landkreis Nordwestmecklenburg. Gleichzeitig reicht ihr Einfluss weit über die unmittelbare Umgebung hinaus: Die Stadt ist Teil der Metropolregion Hamburg – ein Hinweis darauf, wie eng auch kleinere Orte heute mit den großen wirtschaftlichen Zentren vernetzt sind.
Zur Stadt Rehna gehören folgende Ortsteile:
● Brützkow
● Falkenhagen
● Gletzow
● Löwitz
● Nesow
● Nesow Dorf
● Neu Vitense
● Othenstorf
● Parber
● Törber
● Törberhals
● Vitense
Rehna entstand nach heutiger Überlieferung in der Mitte des 12. Jahrhunderts im Zuge einer planmäßigen Besiedlung. Die ersten Siedler sollen aus dem hessischen Raum um Rhena gekommen sein und sich in der Landschaft Mecklenburgs dauerhaft niedergelassen haben.
Nur wenige Jahrzehnte später taucht der Ort erstmals in schriftlichen Quellen auf. Eine Kirche in Rehna wird um 1230 erwähnt und belegt damit die frühe kirchliche Bedeutung der Siedlung. Ebenfalls in diese Zeit fällt die erste Nennung des heutigen Ortsteils Löwitz, der in historischen Dokumenten unter den Namen „Lovetse“ und „Lowitze“ erscheint. Von der dortigen Burganlage sind heute noch Relikte im Gutspark sichtbar und erinnern an die mittelalterliche Wehrstruktur des Ortes.
Die Klosteralage der Prämonstratenser-Chorfrauen in Rehna besticht durch den gut erhaltenen Kreuzgang und den sehenswerten Klostergarten. Foto: Heiko Wruck
Auch die Gründung des Prämonstratenserinnenkloster Rehna fällt in diese bewegte Phase des 13. Jahrhunderts. Die genaue Jahreszahl lässt sich nicht eindeutig festlegen; sie wird zwischen 1230 und 1236 angesetzt. Mit einer feierlichen Urkunde bestätigte der Ratzeburger Bischof Ludolf I. schließlich am 26. Dezember 1237 die junge Klostergründung offiziell. Ein Prämonstratenserinnenkloster ist eine Niederlassung von Ordensfrauen, die nach der Regel des heiligen Augustinus und den Statuten des Prämonstratenserordens (lat. Candidus et Canonicus Ordo Praemonstratensis) leben. Der Orden wurde 1121 vom heiligen Norbert von Xanten in Prémontré (Frankreich) gegründet. Die Nonnen sind gut erkennbar an ihrem charakteristischen weißen Gewand.
Das Kloster selbst war von Beginn an als geistliches Zentrum von Bedeutung. Es wurde der Gottesmutter Maria, der heiligen Elisabeth von Thüringen sowie allen Heiligen geweiht. Zunächst lebten hier Benediktinerinnen, später übernahmen Prämonstratenserinnen die Gemeinschaft, die mindestens bis 1492 nachweisbar ist. Im 16. Jahrhundert kamen schließlich Zisterzienserinnen in das Kloster, bis es im Juli 1552 im Zuge der Reformation aufgehoben wurde.
Kloster Rehna: Schon früh war das Kloster wirtschaftlich gut ausgestattet und erhielt umfangreiche Ländereien. Ein Ablassbrief aus dem Jahr 1254 förderte den weiteren Ausbau erheblich. Foto: Heiko Wruck
In diesem Zusammenhang begann auch der Bau eines Kreuzgangs, der Kirche und Klostergebäude verband. Die eigentlichen Konventsgebäude entstanden in den Gartenbereichen hinter der Kirche. Weitere Ablässe in den Jahren 1268, 1284 und 1287 ermöglichten Reparaturen und Erweiterungen sowie eine kontinuierliche Vergrößerung des Besitzes.
Im Spätmittelalter entwickelte sich das Kloster zu einem der einflussreichsten geistlichen Zentren Mecklenburgs. Besonders im 14. und 15. Jahrhundert war es eng mit den führenden Familien Lübecks verbunden. Viele Patriziertöchter wurden hier erzogen, eine Scholastica ist bereits 1346 urkundlich nachweisbar. Großzügige Stiftungen aus dem städtischen Bürgertum stärkten die wirtschaftliche Basis des Klosters zusätzlich. Auch die mecklenburgischen Herzöge pflegten enge Beziehungen zur Anlage, ließen ihre Töchter dort ausbilden und unterstützten das Kloster mit Schenkungen und Schutzurkunden. Herzoginwitwe Dorothea von Brandenburg verbrachte sogar ihre letzten Lebensjahre innerhalb der Klostermauern. Nach der Auflösung der geistlichen Gemeinschaft im 16. Jahrhundert wechselte die Nutzung der Gebäude mehrfach. 1791 erhielt Rehna das Stadtrecht.
Vom frühen 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg diente die Klosteranlage als Forstamt, später wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1995 als Schulstandort genutzt. Seit den späten 1990er-Jahren ist das historische Ensemble umfassend saniert worden. Besonders das sogenannte Lange Haus wurde restauriert und wird heute als Verwaltungsgebäude genutzt.
● Carlow
Carlow ist eine Gemeinde im Landkreis Nordwestmecklenburg im Westen von Mecklenburg. Die Gemeinde Carlow wird vom Amt Rehna mit Sitz in der gleichnamigen Stadt Rehna verwaltet. Die Gemeinde Carlow liegt an einer Schlinge des Flusses Maurine zwischen den Städten Ratzeburg, Gadebusch, Schönberg und Rehna. Die Hansestadt Lübeck ist circa 18 km entfernt.
Die Gegend um Carlow war bereits in der jüngeren Steinzeit besiedelt. Carlow wird in der auf das Jahr 1158 datierten Dotierungsurkunde Heinrich des Löwen für das Bistum Ratzeburg als Karlowe erstmals urkundlich erwähnt. Die Benennung als Ort des Karl wird den germanischen Langobarden zugeschrieben, die bis etwa 550 n. Chr. gen Süden zogen. Nachfolgend siedelten hier Slawen. Unter Heinrich von Badewide wurden um 1150 deutsche Kolonisten, unter anderem aus Westfalen, Holstein, Holland und Franken, angesiedelt.
Ein Ritter namens Gottschalk von Karlowe wurde mit Karlowe belehnt und errichtete nahe der slawischen Siedlung eine Wehrburg.
Die Kirche in Carlow aus dem 13. Jahrhundert wird 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt. Sie wurde im 19. Jahrhundert durch einen neugotischen Turm und ein neugotisches Kirchenschiff als Neubauten in Backstein ersetzt. Nur der rechteckige Chor des 13. Jahrhunderts blieb als Granitquaderbau mit jeweils drei hohen schmalen Fenstern an jeder Außenseite erhalten.
Die Dorfkirche Carlow ist eine typisch norddeutsche Dorfkirche, die für ihre schlichte Schönheit bekannt ist. Foto: Heiko Wruck
● Ratzeburg
Die Stadt Ratzeburg liegt in unmittelbarer Nähe der Bundesstraße 207, die als Alte Salzstraße von Lüneburg nach Lübeck an der westlichen Stadtgrenze verläuft. Ratzeburg (niederdeutsch Ratzborg) ist eine Kleinstadt in Schleswig-Holstein der Grenze zu Mecklenburg. Ratzeburg ist die Kreisstadt des Kreises Herzogtum Lauenburg und als Luftkurort bekannt. und aufgrund der Lage ihrer Altstadt inmitten des Ratzeburger Sees und deren lediglich über drei Dämme verlaufenden Verbindung mit dem Festland auch eine „Inselstadt“. Neben der Altstadtinsel gehören auch St. Georgsberg (seit 1928), Vorstadt und Dermin zum Stadtgebiet. Der Ratzeburger Dom und die Altstadt liegen auf der sogenannten Dominsel im Ratzeburger See.
Der Ratzeburger Dom ist einer der ältesten Backsteindome Norddeutschlands, majestätisch auf der Stadtinsel gelegen. Foto: Heiko Wruck
Wo heute die Altstadtinsel von Ratzeburg Besucher empfängt, lag einst das spirituelle Zentrum einer anderen Welt. Bis ins 11. Jahrhundert verehrten hier slawische Stämme ihre Göttin Siva – in einem Heiligtum, das den See überragte und zugleich politischer wie religiöser Mittelpunkt war.
Der Name der Stadt erinnert bis heute an diese frühe Epoche. Er geht zurück auf den obodritischen Fürsten Ratibor, der im frühen 11. Jahrhundert über den Teilstamm der Polaben herrschte. In einer Ringwallburg, der sogenannten Razzisburg, residierte er auf der Insel und sicherte von dort aus seine Macht.
Doch die Zeiten änderten sich – und zwar nicht geräuschlos. Erst nach mehreren Anläufen gelang es christlichen Missionaren, die Region dauerhaft zu prägen. Ausgangspunkt dieser Bemühungen war das Bistum Oldenburg, das bereits im Jahr 992 urkundlich erwähnt wird. Von hier aus begann die systematische Missionierung der slawischen Bevölkerung.
Den entscheidenden Umbruch markierte das Jahr 1154: Heinrich der Löwe gründete die Stadt neu und etablierte das Bistum dauerhaft. Auf der Insel entstand in der Folge ein monumentaler Dom – nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als sichtbares Zeichen des Sieges des Christentums über die alten Kulte.
Eine Schlüsselrolle in dieser Entwicklung spielte die Kirche St. Georg auf dem Berge. Sie gilt als älteste Bischofskirche der Region und wurde zur Mutterkirche des gesamten Lauenburger Landes. Von hier aus gingen zahlreiche Pfarrgründungen aus – selbst der spätere Dom auf der Insel steht in dieser Tradition. Bereits seit dem 11. Jahrhundert bestand an diesem Ort zudem eine Benediktinerabtei, die das religiöse Leben prägte.
Auch weltliche Macht manifestierte sich in Ratzeburg: An Heinrich von Badewide, den ersten Grafen der Stadt, erinnert ein Gedenkstein, der nach 1163 errichtet wurde.
Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die politische Zugehörigkeit mehrfach. Nach dem Westfälischer Frieden fiel das Stiftsgebiet mit dem Domhof an Mecklenburg und wurde später Teil von Mecklenburg-Strelitz. Der Dombezirk blieb dabei lange eine eigene Enklave kirchlicher Herrschaft, ehe er Anfang des 19. Jahrhunderts vollständig integriert wurde.
Noch einmal wandelte sich das Gesicht der Stadt im 19. und frühen 20. Jahrhundert: Ratzeburg entwickelte sich zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Mehrere Bahnlinien kreuzten sich hier, darunter die sogenannte Kaiserbahn, die Berlin mit Kiel verband – über Stationen wie Hagenow, Zarrentin, Bad Oldesloe und Neumünster. Erst mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlor die Stadt diese zentrale Rolle im Eisenbahnnetz.
● Mölln
Mölln liegt im Südosten von Schleswig-Holstein im Kreis Herzogtum Lauenburg, unweit der Grenze zu Mecklenburg. Die Stadt, die heute vor allem als „Eulenspiegelstadt“ bekannt ist, nimmt innerhalb des Kreises nach der Einwohnerzahl den zweiten Platz ein. Eingebettet in die Landschaft des Naturparks Lauenburgische Seen verläuft sie entlang der Bundesstraße 207, der historischen Alten Salzstraße, rund 30 Kilometer südlich von Lübeck.
Die Ursprünge Möllns reichen in das späte 12. Jahrhundert zurück. Zwischen etwa 1165 und 1180 ließ der Ritter Konrad Wackerbarth als Lokator die Siedlung neu ordnen. Dabei wurden slawische Bauern aus der Umgebung der Delvenau umgesiedelt und am heutigen Alt-Mölln angesiedelt, ergänzt durch sächsische Hofstellen im Bereich des damaligen Ohlendorp. Schon wenige Jahrzehnte später verlagerte sich der Siedlungsschwerpunkt um 1210 auf eine geschützte Insel zwischen Möllner See und Schulsee, wo der Ort befestigt wurde. Erste schriftliche Hinweise finden sich bereits 1188 im Zusammenhang mit dem Möllner See im sogenannten Barbarossa-Privileg für Lübeck. Nach der Zugehörigkeit zum dänischen Königreich ab 1201 erhielt Mölln 1202 das Lübische Stadtrecht durch König Waldemar II. Die politische Zugehörigkeit wechselte erneut 1227 nach der Schlacht von Bornhöved, als die Stadt an das Herzogtum Sachsen-Lauenburg fiel. In den folgenden Jahrhunderten prägten Konflikte zwischen den Herzögen von Sachsen-Lauenburg und der Stadt Lübeck die Besitzverhältnisse der Stadt.
Das Stadtbild wird bis heute von der historischen Altstadt geprägt. Über ihr erhebt sich die markante St.-Nicolai-Kirche, ein Bauwerk, das romanische Ursprünge mit späteren gotischen Erweiterungen verbindet. Foto: Heiko Wruck
Auf dem westlichen Giebel erinnert ein Stein an die Sage um Till Eulenspiegel, der der Überlieferung nach im Jahr 1350 in Mölln gestorben sein soll – auch wenn diese Darstellung historisch nicht eindeutig belegt ist.
Die Kirche selbst gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Stadt. Errichtet wurde sie vermutlich bereits am Ende des 12. oder zu Beginn des 13. Jahrhunderts, als Mölln noch kirchlich dem Kirchspiel Breitenfelde unterstand. Spätestens im frühen 13. Jahrhundert wird sie in Quellen als eigenständiger Kirchenstandort erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Bau mehrfach erweitert und umgestaltet: Im 15. Jahrhundert erhielt das Südschiff eine gotische Verlängerung, später kamen unter anderem eine Taufkapelle, eine Sakristei sowie weitere Anbauten hinzu. Der Turm, dessen Grundstruktur auf das späte 14. Jahrhundert zurückgeht, musste wegen schwieriger Bodenverhältnisse mehrfach gesichert werden und trägt heute eine barocke Bekrönung.
Im Zentrum der Stadt, rund um den Marktplatz, konzentrieren sich weitere historische Orte. Dazu gehören das Eulenspiegel-Museum sowie das Heimatmuseum im Alten Rathaus. Das gotische Rathaus selbst, 1373 errichtet, zählt zu den seltenen erhaltenen Bauwerken dieser Epoche in Schleswig-Holstein und steht in einer Reihe mit dem Lübecker Rathaus.
Auch die Figur Till Eulenspiegel ist bis heute eng mit der Stadt verbunden. Eine mittelniederdeutsche Inschrift auf einem Gedenkstein aus dem 16. Jahrhundert verweist auf sein angebliches Todesjahr 1350 in Mölln. Eine weitere Erinnerung findet sich an der St.-Nicolai-Kirche: Dort ist ein Stein eingelassen, der auf die Überlieferung hinweist, Eulenspiegel sei senkrecht bestattet worden – eine Legende, die mit einem angeblich herabgestürzten Sarg bei der Beisetzung erklärt wird. Foto: Heiko Wruck
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