Wie die Maräne in den Schaalsee kam
... nacherzählt von Heiko Wruck
Freitag, 10. April 2026
Hey Nonne, Bock auf Fisch?
Zu der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, gab es im Kloster Zarrentin eine Nonne, die keine Scheu hatte, wegen ihres Verlangens auch einen Pakt mit dem Teufel einzugehen. Wir kennen zwar ihren Namen nicht und wissen auch nicht, wann sie eigentlich am Schaalsee unterwegs war. Aber hey, nennen wir sie Elisabeth und sagen wir, dass sie schon lange nicht mehr unter uns weilt. Überliefert ist, dass Elli vom Schaalsee so richtig Bock auf guten Fisch hatte. Guten Fisch hatte sie bereits in ihrer Heimat am Bodensee kennengelernt. Als sie jedoch wegen eines beruflichen Neustarts vom Bodensee an den Schaalsee wechselte, war erst einmal vorbei mit lecker Fisch. Das gefiel Lizzy gar nicht. Besonders die Tatsache, langfristig so gar keine Maräne mehr wegputzen zu können, brachte unsere Else fast um den Verstand.
Besser den Fisch im Mund, als ... ach lassen wir das
Auf solche Mädel ist Lucifer Beelzebub total abgefahren: In der Waffel butterweiche Frauen, die alles dafür tun würden, mal wieder einen richtigen Fisch im Mund zu haben. Wenn das nicht des Teufels Sache war, wessen Sache solls denn sonst sein? Also schlug der listige Luci der verfressenen Schaalsee-Lizzy einen Pakt vor. Er sagte: Hey Babe, ich besorge dir lecker Fisch. Aber dafür krieg ich dann auch deine Seele. Klar soweit. Elli stutzte kurz. Hatte der Typ mit dem geilen roten Umhang gerade gesagt, er würde ihr lecker Fisch reintun? Der Pferdefuß an dem Verführer, der ansonsten aber total seriös rüber kam, störte sie kaum. Irgendwas ist ja immer. Aber lecker Fisch, das wär' schon was. Die Fisch-Else vom Schaalsee haderte noch ein bisschen. „Wird der Fisch auch frisch sein“, fragte sie und hoffte, dass er weniger streng riechen möge als ihre Schwestern jenseits ihres Cingulum (Stoffgürtel oder Gürtelband).
Während Elsbeth noch überlegte hatte Luci-Baby ein paar Recherchen über Elli eingeholt. So fand er heraus, dass sie bereits in ihrer Heimat am Bodensee sehr bekannt dafür war, sich die Maränen kiloweise in den Schlund zu stopfen. Also unterbrach er kurzerhand ihre Sinniereien und präzisierte sein Angebot. „Pass ma' uff, Täubschen. Isch hol dich 'ne große Tüte Bio-Maränen. Taufrisch vom Bodensee. Wenn ich das bis zum zwölften Glockenschlag der Kirchturmuhr auf Mitternacht schaffe, kriegst du lecker Fisch und ich deine Seele. Haben wir einen Deal, Baby?“ Bodensee-Lizzy schlug am Ufer des Schaalsee per Handschlag ein. Damit stand ihr Pakt mit dem Teufel.
Flügel bügeln und los
Der schnalzte mit der Zunge, machte sich noch kurz reisefertig: Haare föhnen, Ruge auflegen, Flügel bügeln und so – dann zwitscherte er ab in Richtung Bodensee. Sein Navi hatte er auf die schönste Strecke eingestellt. Schließlich hatte der Fisch- und Lichtbringer noch genügend Zeit, um sich unterwegs noch ein paar Sehenswürdigkeiten reinzutun.
Kurz nachdem der Fürst der Finsternis den Flattermann gemacht hatte, bekam Lizzy am Schaalsee kalte Füße. Wegen dieses blöden Fisches soll ich meine Seele verlieren? Nich mit mich. Dann doch eher meine Jungfäulichkeit, aber nicht die Seele, dachte sie. Ersteres hat man ja im Normalfall auch nicht solange. Und warum war in einem Kloster Jungfräulichkeit überhaupt 'ne Ansage? Ist doch eh tote Hose. Aber nun war er weg, der alte Satansbraten.
Sommerzeit für Hellboy
Hin- und hergerissen von ihrem Pakt – lecker Fisch gegen die unsterbliche Seele – wandte sich Lisbeth an eine befreundete Ordensschwester und erzählte den ganzen Kram. Die befreundete Ordensschwester kannte Lucifer noch aus ihrer schlimmen Zeit in der House Party Szene am Schaalsee. Daher wusste sie, dass Belial dort ein paar Mal aufgelegt hatte, eigentlich ein ganz geiler Typ , aber auch ein bisschen doof war. Deswegen sagte sie: „Hey Schwester, wir ziehen Hellboy ab. Wir stellen die beknackte Uhr einfach eine Stunde vor. Sommerzeit, Schwester! Und wenn der kurz vor knapp hier landet, schlägt ihm die Stunde etwas früher.“ Diesen Gedanken fand Maränen-Elli richtig prall. Also stellten die durchtriebenen Ordensschwestern das damals noch analoge Uhrwerk entsprechend auf mitteleuropäische Sommerzeit um und gingen in die Bar „Zum dicken Schaalsee-Fischer“. Dort vergnügten sie sich mit den Schaalsee-Jungs, kippten sich gegenseitig diverse Getränke in den Hals und harrten der Ankunft von Luci Morningstar.
Mephistopheles, die alte Schlange, ließ auch nicht lange auf sich warten. Gegen 23:55 Uhr flog er über dem südlichen Schaalsee ein, siegesgewiss und fett überzeugt, noch voll die Zeit zu haben. Unterwegs hatte Beelzebub, der alte Poser, sich noch ein heißes Bike zugelegt, um vor der Abgabe der Fische noch eine knackige Show hinzulegen. Also drehte er mit seinem Bike und burning wheels fette Donuts auf dem Parkplatz des Klosters. Doch plötzlich fiel ihm glatt die Schminke aus der Larve. Es schlug doch tatsächlich 12 an der Kirchturmuhr.
Darauf konnte Hellboy so gar nicht. „Was soll das denn“, schrie er in den Nachthimmel und wandte sich mit blutunterlaufenen Augen an Lizzy Liesbeth Bodensee-Elli: „Lizzy, Baby, wer hat dir denn den Keks zulange in den Tee getunkt? Wie kann es jetzt 12 schlagen, wenn es doch erst 11 Uhr nachts ist.“ „Oh Brother“, erwiderte Elsbeth gelassen cool und geschmeidig: „Sommerzeit ist Sommerzeit, und du hast in diesem Job versagt. Was kannst du eigentlich wirklich? Da schickt man dich los, um Fisch zu holen, und du vermasselst es. Also ehrlich ...“
Daraufhin geriet der alte Deibel so sehr in Wut, dass er die vom Bodensee mitgebrachten Maränen in hohem Bogen über den Schaalsee schleuderte. So kamen die Edelfische in Norddeutschlands größten Klarwassersee. Elsbeth vom Bodensee behielt ihre Seele und bekam trotzdem lecker Fisch. Maräne halt, aber es ist ja immer irgendwas.