Zwischen Schwert und Glauben
... von Heiko Wruck
Donnerstag, 7. Mai 2026
Das Ansveruskreuz bei Einhaus markiert den vermuteten Todesort des Abtes Ansverus. Hier soll er mit seinen Mönchen gesteinigt worden sein. Foto: Heiko Wruck
Der Bruch mit der Kriegerlaufbahn
Lassahn/ssr. Ansverus (auch Ansuerus, deutsch Answer) war ein Benediktinermönch und Abt im 11. Jahrhundert, der als christlicher Märtyrer verehrt wird. Er gehört zu den frühesten Gestalten der Christianisierung im Raum Ratzeburg/Lauenburg. Geboren war er angeblich im Jahr 1038 in Haithabu bei Schleswig. Hans Mader, Pastor an der Kirche Sankt Georg auf dem Berge zu Ratzeburg, beschreibt Ansverus als Sohn des sächsischen Ritters Oswald, der in Haitabu das Kriegsamt inne hatte. Damit war Ansverus adliger Herkunft aus einer reichen Familie mit großen Besitzungen. Ansverus Mutter Agnetas soll ebenfalls aus Sachsen stammen und ihren Sohn christlich erzogen haben. Pastor Hans Mader behauptet in seiner Schrift zu Ansverus, dass dieser einen älteren Bruder gehabt haben soll. Angeblich sei dieser mit den Wikingern auf eine Eroberungsfahrt in den Süden gegangen, von der er nicht zurückkehrte. Mader berichtet weiter, dass Ansverus ursprünglich das Kriegshandwerk erlernen sollte, um anstelle des Bruders als Erbe der familiären Besitzungen auch das väterliche Kriegsamt zu übernehmen.
Askese, Disziplin und der Aufstieg zum Abt
Ansverus entschied sich anders. Unter dem Vorwand, seinen Onkel zu besuchen, reiste er nach Ratzeburg und trat dort in das Benediktinerkloster Sankt Georg auf dem Berge ein. Zuvor soll er sich als Fünfzehnjähriger in einem Traum als Klostervorstand gesehen haben. Während seiner Klosterzeit soll er als Priester und Mönch durch außergewöhnliche Selbstdisziplin (Fasten, Kasteien, Dauergebete) aufgefallen sein. Als der alte Abt starb, wurde Ansverus sein Nachfolger.
Rätselhaftes Strafwunder im Kloster
Besonders interessant ist eine Einlassung des Pastors Hans Mader zum Wirken des Abtes Ansverus: „Eines Tages verstieß ein Mönch gegen die Benediktinerregel. Ansverus betete zu Gott um Rat. Da sah er eine Rute vom Himmel herabschweben. Daraufhin vollzog Ansverus die entsprechende Strafe. Der Mönch bereute sein Vergehen. Nach seinem Tod wandelte sich die Rute in eine Kerze zum Zeichen dafür, dass Gott verziehen hatte.“ Ob sich dieses göttliche Verzeihen auf den möglicherweise misshandelten oder möglicherweise gar von seinem Abt totgeschlagenen Mönch bezieht, überliefert Pastor Mader in seiner Niederschrift aus dem Jahr 2000 nicht.
Mission im Spannungsfeld der Kulturen
Die Hauptaufgabe des Abtes Ansverus bestand jedoch darin, die heidnischen Slawen-Stämme in der Umgebung zu missionieren. Wer der Missionierung folgte, wurde in der Kirche Sankt Georg auf dem Berge gegenüber der Slawenburg christlich getauft. Diese Missionierung blieben natürlich bei den heidnischen Slawen, den 300 Jahre zuvor eingewanderten Polaben, umstritten. Ihr Heiligtum der Göttin Siva befand sich auf der Slawenburg, dem heutigen Dom in Ratzeburg. In dieser spannungsgeladenen Zeit mit dem Druck der christlichen Missionarisierung einerseits und andererseits der Landnahme durch christlich-deutscher Stämme kulminierte die Bedrängnis in den Slawenaufstand des Sommers 1066 gegen die Sachsen. Die Kirche Sankt Georg auf dem Berge und das Benediktinerkloster wurden zerstört. Am 15. Juli 1066 wurde der Abt Ansverus mit seinen Mönchen gefangen genommen, nach Einhaus bei Ratzeburg gebracht und dort auf dem Rinsberg durch Steinigung getötet. So soll Ansverus, der Sprössling eines reichen Kriegeramtsmannes aus Haitabu der kirchlichen Überlieferung nach im Alter von 28 Jahren als Märtyrer gestorben sein.
Schautafel zum Leben, Wirken und Sterben des Abtes Ansverus. Foto: Heiko Wruck
Beisetzung und frühe Verehrung
Der Leichnam des Ansverus soll später in der Ruine der Kirche Sankt Georg auf dem Berge unter dem Altar beigesetzt worden sein, so die überlieferte Vermutung. Pastor Hans Mader verweist auf eine „alte Steinplatte mit der lateinischen Aufschrift ,Ostium Sepulcri' (= Eingang zum Altargrab) ...“. Im Jahr 1147 soll Papst Eugen III. Ansverus heiliggesprochen haben. Als der Ratzeburger Dom schließlich fertiggestellt worden war, sollen die Gebeine des Ansverus im Jahr 1170 in den Ratzeburger Dom umgebettet worden sein. Angeblich sollen sie bis heute dort ruhen.
Das Ansveruskreuz als steinernes Zeugnis
Das heute zu sehende Ansveruskreuz soll in der Mitte des 15. Jahrhunderts an der vermuteten Stelle der Steinigung seinen Platz gefunden haben. Das Ansveruskreuz bei Einhaus wurde aus massivem gotländischem Kaltstein gehauen. Das Radkreuz ist noch gut erkennbar. Die sonstige Ausschmückung ist jedoch fast vollständig verwittert und fast unkenntlich. Foto: Heiko Wruck