Mittelalter zum Anfassen
... von Heiko Wruck
Montag, 8. Juni 2026
Seedorf überdauerte Jahrhunderte
Lassahn/ssr. Wer sich dem schleswig-holsteinischen Ufer des Schaalsees nähert, stößt im Kreis Herzogtum Lauenburg auf einen Ort, der seine jahrhundertealte Geschichte bis heute lebendig hält. Die Gemeinde Seedorf, zu der auch die beschaulichen Ortsteile Groß Zecher und Zuckerhut gehören, verdankt ihre Entstehung der mittelalterlichen Kolonisation ehemals slawischer Gebiete. Ein Blick in die Archive verrät, wie tief die Wurzeln des Dorfes reichen. Bereits im Jahr 1194 fand das Seedorfer Kirchspiel im Zehntregister des Ratzeburger Bischofs Isfried seine erste urkundliche Erwähnung.
Seedorfer Kirche. Foto: Heiko Wruck
Der lange Atem der Geschichte
Das unbestrittene Herzstück und historische Gedächtnis in Seedorf ist die St.-Clemens-St.-Katharinen-Kirche. Sie ist ein frühgotischer Backsteinbau aus dem frühen 13. Jahrhundert, zieht bis heute Kulturinteressierte und Reisende gleichermaßen in ihren Bann. Das Gotteshaus, das heute zur nordelbischen Kirchengemeinde Seedorf-Mustin gehört, spiegelt die typische Architektur der Region wider. Ein einschiffiges Langhaus trifft hier auf einen eingezogenen Kastenchor, dessen spitzbogige Fensterbänder das Licht in das gewölbte Innere leiten. Während die Sakristei an der Südseite und eine Gruft im Norden im Laufe der Epochen als Erweiterungen hinzukamen, ist der markante, sechseckige Westturm ein Kind des späten 19. Jahrhunderts – er wurde 1872 im neugotischen Stil errichtet.
Die ältesten ihrer Art in Norddeutschland
Tritt man durch das Portal, offenbart sich ein Kunstschatz von norddeutscher Bedeutung. An den Wänden und Gewölben haben über achthundert Jahre hinweg jene seltenen, mittelalterlichen Konturenmalereien überdauert, die zu den ältesten ihrer Art in Norddeutschland zählen. Im Chorraum blicken Christus auf dem Thron, Maria und Johannes aus der Zeit um 1250 auf die Betrachter herab, während das Kirchenschiff mit Evangelistensymbolen und einer Teufelsdarstellung aus der Zeit um 1400 fasziniert.
Zurück bis zu den Wurzeln
Neben einem Alabaster-Kruzifix aus dem frühen 17. Jahrhundert erzählen vor allem die steinernen und metallenen Zeugnisse im Kirchenraum vom regionalen Adel. Epitaphien, Grabplatten und kunstvoll verzierte Metallsärge in der Nordgruft halten die Erinnerung an die einstigen Patronatsfamilien von Parkentin und von Witzendorff wach, die das Geschick von Seedorf und Groß Zecher über Generationen hinweg prägten.
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