Tour 1: Rund um den Schaalsee (der Klassiker)
... von Heiko Wruck
Dienstag, 21. April 2026
Lassahn/ssr. Für Autofans, Fahrrad-Begeisterte und E-Biker bietet die Region um den Schaalsee sehr abwechslungsreiche Routen durch das UNESCO-Biosphärenreservat. Besonders für E-Bikes sind die teils hügeligen Abschnitte sehr gut zu bewältigen. Die folgende Schaalsee-Rundtour ist der Klassiker in der Region. Sie führt über ≈ 50 km rund um den Schaalsee und ist sowohl geeignet, um mit dem Auto, dem Fahrrad oder mit dem E-Bike entdeckt zu werden.
Diese Tour umrundet den mit 72 m tiefsten See Norddeutschlands. Die Wege sind meist sehr gut bis gut befahrbar (Asphalt, teils Kopfsteinpflaster). Einige Abschnitte weisen Steigungen auf, die jedoch mit dem E-Bike mühelos zu meistern sind.
Der Kurs führt über folgende Stationen:
● Zarrentin am Schaalsee
● Lassahn
● Kneese
● Dutzow
● Kittlitz
● Dargow
● Seedorf
● Groß Zecher
● Zarrentin am Schaalsee
In Zarrentin sollte ein Besuch der Kirche St. Petrus und St. Paulus nicht versäumt werden. Die gotische Pfarrkirche ist die ehemalige Klosterkirche. Ihre Ursprünge liegen im 13. Jahrhundert. Die Kirche ist eng mit dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster verbunden und gehört zu den wichtigsten historischen Bauwerken der Region. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Zarrentin eine isolierte Grenzstadt in einem kontrollierten Grenzbezirk der DDR. Selbst der Zugang zum benachbarten Schaalsee wurde verwehrt. Neben Kloster und Kirche bietet sich auch das Informationszentrum PAHLHUUS in Zarrentin für einen Besuch an. Das PAHLHUUS ist weit mehr als nur ein Gebäude – es ist das zentrale Informations- und Erlebniszentrum des UNESCO-Biosphärenreservats Schaalsee und zugleich Sitz des Biosphärenreservatsamtes Schaalsee-Elbe. Hier beginnt für viele Besucher der Einstieg in die Landschaft rund um den Schaalsee. Gleich hinter dem PAHLHUUS beginnt ein barrierefreier Moorerlebnispfad direkt hinter dem Gebäude.
Zarrentin am Schaalsee lässt sich gut zu Fuß oder per Rad erkunden. Foto: Heiko Wruck
● Lassahn
Lassahn liegt im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Die St.-Abundus-Kirche in Lassahn ist eine weitere Sehenswürdigkeit dieser Tour. Diese frühmittelalterliche Kirche ist eines der ältesten Bauwerke rund um den Schaalsee. Ihre Bauzeit wird auf die Jahre 1190 bis 1250 datiert. Der älteste erhaltene Teil (Chor + Sakristei) stammt aus circa aus dem Jahr 1240 und besteht aus Feldsteinen. Gewidmet ist die Kirche dem Märtyrer Abundus von Córdoba (9. Jahrhundert). Das Dorf Lassahn gehörte historisch über Jahrhunderte zum Herzogtum Lauenburg und kam erst 1945 durch einen Gebietsaustausch von der britischen in die sowjetische Besatzungszone – nach dem Barber-Ljaschtschenko-Abkommen. Eine goldene Kugel mit Hahn auf der Kirchturmspitze wurde 1980 aufgesetzt. Britische Soldaten hatten den Vorgänger bei einer Siegesfeier 1945 von der Spitze geschossen. Von 1949 bis zur Wiedervereinigung 1989 war Lassahn ein Grenzdorf an der innerdeutschen Grenze. Die Bewohner waren vom Schaalsee vollkommen abgeschnitten. Im Dorf war auch eine große Anzahl von Einheiten der Grenztruppen stationiert. Seinen Status als Grenzdorf verlor Lassahn erst am 12. November 1989, als die Grenze an der Bundesstraße 208 hinter Mustin geöffnet wurde.
An der Kirche: In Lassahn gibt es viele Möglichkeiten, sich die Beine zu vertreten. Foto: Heiko Wruck
● Kneese
Kneese ist ein kleines Dorf am Ostufer des Schaalsee. Heute wirkt es ruhig und idyllisch. Doch hinter dieser Ruhe steckt eine ziemlich bewegte Geschichte. Das Dorf liegt im Landkreis Nordwestmecklenburg. Zu ihm gehören die Ortsteile Dutzow, Sandfeld und Kneese Dorf. Kneese wird vom Amt Gadebusch mit Sitz in der Stadt Gadebusch verwaltet. Typisch für die Gegend um Kneese sind sanfte Hügel, viele kleine Seen und eine fast unberührte Kulturlandschaft. Die Badestelle Kneeses am Schaalsee befindet sich dort, wo vor 1990 die Grenzanlagen der DDR installiert waren. Die ehemaligen Grenztruppen-Kasernen wurden zu Eigentumswohnungen umgebaut. Da Kneese im Sperrgebiet lag, hatten die Bewohner mit erheblichen Einschränkungen zu leben. Ein Teil des Ortsteils Dutzow einschließlich des Herrenhauses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Zusammenhang mit den Zwangsaussiedlungen abgerissen, weil die Gebäude zu dicht an der Grenze standen. Heute verbindet eine 1993 fertiggestellte Brücke Kneese mit der Nachbargemeinde Kittlitz. Drei Jahrzehnte nach dem Tod des Republikflüchtlings Harry Weltzin wurde bei Kneese ein Mahnmal für DDR-Grenztote eingeweiht. Sehenswürdigkeiten in Kneese sind das Denkmal für Harry Weltzin, der am 4. September 1983 bei einem Fluchtversuch aus der DDR ums Leben kam. Ebenso das ehemalige Försterhaus (Hauptstraße 15). In Kneese-Hof liegt eine Gutsanlage mit Gutshaus und Nebengebäuden, Kutscherhaus, Scheunen und Speicher (Dorfstraße 11).
In Kneese können Sie die lokale Mosterei besuchen. Foto: Heiko Wruck
● Dutzow
Ein Teil des Ortsteils Dutzow einschließlich des Herrenhauses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Zusammenhang mit den Zwangsaussiedlungen wegen der innerdeutschen Grenze abgerissen. Die Gebäude befanden sich zu dicht an der Grenze. Heute verbindet eine 1993 fertiggestellte Brücke Kneese mit der Nachbargemeinde Kittlitz. In Dutzow-Ausbau befindet sich eine alte Feldscheune. Geografisch wirkt es heute wie eine offene Wiesen- und Seenlandschaft – ohne klassisches Dorfzentrum. Der Schaalseeraum lag historisch im Siedlungsgebiet der Polaben (westslawische Gruppe). In den historischen Überlieferungen gibt es keine eindeutig gesicherte Erstnennung des Dorfes Dutzow. Dutzow selbst ist historisch kein eindeutig früh beurkundeter Einzelort. Die erste wirklich sichere kartografische Sichtbarkeit von Dutzow stammt – wie bei vielen kleinen Gutssiedlungen im Mecklenburgischen – nicht aus dem Mittelalter, sondern aus der preußischen Landesvermessung des 19. Jahrhunderts. Nach der Überquerung der Brücke gehts links weiter nach Kittlitz.
Im geschleiften Dorf Dutzow gibt es noch eine schöne Naturbadestelle. Foto: Heiko Wruck
● Kittlitz
Kittlitz ist eine Gemeinde im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. In der Gemeinde liegen die Güter Goldensee und Niendorf am Schaalsee sowie die Siedlungen Butz, Vogtstemmen und Rosenhagen. Der Ort liegt im Gebiet der Schaalsee-Seenplatte des Naturparks Lauenburgische Seen an der Grenze zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Hier findet man viele für den Landstrich typische Höfe. Kittlitz ist ein typisches Straßendorf mit alten Hofstellen. Felder, kleine Waldstücke und die Nähe zum Seeufer. Erste Siedlungsstrukturen gehen in die hochmittelalterliche Kolonisationszeit (12. - 13. Jahrhundert) zurück. Die Region stand unter dem Einfluss der Zisterzienser aus dem Kloster Zarrentin. Die Höfe lieferten Abgaben und wurden klösterlich verwaltet. Nach der Reformation kam es zu einem Übergang in die weltliche Gutsherrschaft. Die Ostgrenze der Gemeinde bildete seit dem Barber-Ljaschtschenko-Abkommen vom 13. November 1945 bis 1989 mit dem dahinter errichteten Metallgitterzaun einen Teil des „Eisernen Vorhangs“, die Grenze zur DDR. Im Mai 1990 erbauten die Freiwilligen Feuerwehren eine Holzbrücke nach Kneese in Mecklenburg, die 1992 durch eine feste Brücke (auch mit Pkw befahrbar) ersetzt wurde. Sehenswürdigkeiten sind der Burgwall Kittlitz, ein Rest einer slawischen Niederungsburg aus dem 10./11. Jahrhundert sowie das Herrenhaus (1762/1844) am Gut Niendorf.
● Dargow
Blick vom Dargower Aussichtsturm auf den Schaalsee. Foto: Heiko Wruck
Dargow ist ein malerisches Dorf in Schleswig-Holstein, direkt am Westufer des Schaalsees im Naturpark Lauenburgische Seen gelegen. Es gilt als einer der schönsten Aussichtspunkte der Region. 1938 erfolgte die Eingliederung der Gemeinde Dargow in die Gemeinde Salem. Dargow hat seinen dörflichen, ruhigen Charakter bewahrt. Es liegt abseits der großen Verkehrsströme und ist geprägt von reetgedeckten Häusern und einer idyllischen Parklandschaft. Durch die direkte Lage am See ist es ein fester Bestandteil der Schaalsee-Radrundtour. Der etwa 10 Meter hohe Aussichtsturm ist das Highlight des Ortes. Er befindet sich auf einer Anhöhe am Ortsrand (auf dem Gelände des Schaalseehofes) und bietet einen weiten Panoramablick über den Schaalsee bis nach Mecklenburg. Man blickt direkt auf den Seedorfer Werder und den Zecher Werder. Mit etwas Glück lassen sich von hier aus Seeadler beobachten. Der Schaalseehof ist ein zentraler Anlaufpunkt in Dargow. Dort setzt man bewusst auf rustikales Flair, authentische Erlebnisse und Naturverbundenheit sowie auf sanften Tourismus statt Massentourismus. Der Hof ist damit auch ein klassischer Zwischenstopp für Ausflügler.
Der Schaalseehof ist ein liebevoll umgebauter Bauernhof, der heute als Café, Räucherei und Heuherberge ein kleines touristisches Zentrum am Schaalsee bildet. Foto: Heiko Wruck
● Seedorf
Seedorf am Schaalsee ist ein charmantes Dorf im Kreis Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein) und gilt als einer der idyllischsten Orte direkt am Westufer des Schaalsees. Es liegt im Naturpark Lauenburgische Seen und grenzt unmittelbar an das UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee.
Die St.-Clemens-St.-Katharinen-Kirche (eine romanische Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert) ist für ihre frühen Konturenmalereien bekannt, die zu den ältesten in Norddeutschland zählen. Foto: Heiko Wruck
Auch Schloss Seedorf (ein prachtvolles Herrenhaus, das 1891–1893 erbaut wurde, liegt direkt am Schaalseeufer. Es befindet sich in Privatbesitz und kann daher nur von außen (z. B. vom Wasser oder vom Wanderweg aus) bewundert werden. Die bewaldete Halbinsel Seedorfer Werder ragt weit in den Schaalsee hinein. Ein ca. 7,5 km langer Rundwanderweg (markiert mit einem blauen Fisch-Symbol) führt durch alte Buchenwälder und bietet spektakuläre Ausblicke auf den See. Seedorf bietet eine sehr gepflegte Naturbadestelle mit ausgezeichneter Wasserqualität. Es gibt dort eine Liegewiese und einen Kiosk mit Biergarten, der im Sommer ein beliebter Treffpunkt ist. Seedorf ist ein guter Ausgangspunkt für Kanu- oder Kajaktouren, allerdings ist das Befahren des Schaalsees aufgrund des Naturschutzes streng reglementiert (viele Bereiche sind gesperrt). Der Gasthof am See ist ein traditionsreicher Familienbetrieb in Seedorf, der für gutbürgerliche Küche und regionale Fischspezialitäten wie die Schaalsee-Maräne bekannt ist. Die Region um Seedorf ist ein Paradies für Vogelliebhaber. In den Schilfgürteln und Wäldern des Werders brüten Kraniche, und am Himmel lassen sich regelmäßig Seeadler beobachten, die über dem See kreisen. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, findet in Seedorf eine ideale Zwischenstation auf der großen Schaalsee-Rundtour. Die hügelige Endmoränenlandschaft rund um den Ort bietet dabei immer wieder neue, überraschende Perspektiven auf den tiefsten Klarwassersee Norddeutschlands.
● Groß Zecher
Groß Zecher ist ein Ortsteil der Gemeinde Seedorf im Kreis Herzogtum Lauenburg im südöstlichen Schleswig-Holstein. Der Ort liegt am Schaalsee und im Naturpark Lauenburgische Seen. Groß Zecher wurde 1194 als Scachere im Isfriedschen Teilungsvertrag erstmals urkundlich erwähnt. Der Name ist wendischer Herkunft. Der Ort ist von See-, Forst- und bäuerlich genutzten Flächen geprägt und besitzt mit dem Gut Groß Zecher einen großen Gutshof, der bereits 1681 im Besitz der Familie von Witzendorff ist. Zu den Sehenswürdigkeiten in Groß Zecher gehört das Herrenhaus, auf dem Gutshof gelegen. Es wurde Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut. Das Anwesen ist ein geschütztes Kulturdenkmal. Das klassizistische Herrenhaus sowie die Wirtschaftsgebäude prägen das Dorfbild. In der restaurierten Kutscherscheune befindet sich ein sehr beliebtes Restaurant und Café. Es ist bekannt für regionale Gerichte (wie die Schaalsee-Maräne) und hausgemachte Torten. Auf dem Gut gibt es Ferienwohnungen und ein „SEEminarhaus“.
Der Gutshof in Groß Zecher ist seit 1681 im Besitz der Familie von Witzendorff. Foto: Heiko Wruck