Route 2 – Der Mönch-Ernestus-Wanderweg
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... von Heiko Wruck
Lassahn/ssr. Der Mönch-Ernestus-Wanderweg ist etwa 32 Kilometer lang und führt von der Stadt Ratzeburg bis zur Klosterstadt Rehna. Er erinnert an den mittelalterlichen Mönch Bruder Ernestus, der der Überlieferung nach vom Kloster Ratzeburg ausging und das Kloster Rehna gründete. Der Wanderweg ist Teil eines größeren Systems von Pilger- und Themenwegen im Klosterdreieck Rehna – Ratzeburg – Zarrentin. Diese Wege knüpfen an mittelalterliche Verbindungen zwischen Klöstern an – damals wichtige Routen für Austausch von Wissen, Religion und Kultur.
Der Mönch Bruder Ernestus ist keine eindeutig historisch belegte Person mit dokumentierter Reise, sondern eine überlieferte Klosterfigur bzw. Legendenfigur, die im Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Rehna steht. Das Kloster in Rehna wurde im 13. Jahrhundert (um 1230/1236) als Nonnenkloster des Prämonstratenserordens gegründet. In der Überlieferung wird erzählt, dass ein Mönch aus dem Umfeld des Klosters in Ratzeburg die Region „erschloss“ bzw. die Gründung geistlich inspirierte. Dieser Mönch wird in regionalen Erzählungen als Bruder Ernestus bezeichnet. Die Strecke zwischen Ratzeburg und Rehna (heute etwa 30 km) hätte ein mittelalterlicher Mensch mit einem Fußmarsch in etwa einem Tag geschafft – oder mit geistlichen Unterbrechungen in ein bis zwei Tagen.
Verlauf und Stationen
● Ratzeburg (Start am Domsee)
● Bäk
● Mechow
● Schlagsdorf (Grenzhus)
● Schlagbrügge
● Dechow am Lankower See
● Röggelin
● Demern
● Rehna (Ziel am Kloster)
Die Strecke führt durch eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit Seen, Wäldern und ehemaligen Grenzgebieten entlang der einstigen innerdeutschen Grenze. Der Mönch-Ernestus-Weg ist rund 32 km lang und entspricht damit einer Tages- oder Zweitagesroute. Der Schwierigkeitsgrad ist eher leicht. Zahlreiche Wege sind überwiegend naturbelassen. Der Mönch-Ernestus-Wanderweg führt durch das Biosphärenreservat Schaalsee und eine historische Grenzlandschaft. Er verbindet Naturerlebnis, Geschichte und Spiritualität – vergleichbar mit einem kleinen Pilgerweg auf regionaler Ebene.
Von Mechow führt dich der Mönch-Ernestus-Weg in einem ruhigen, landschaftlich besonders reizvollen Abschnitt weiter Richtung Schlagsdorf um die Nordspitze des Mechower Sees (nicht für Fahrzeuge). Die Strecke ist nicht kompliziert, aber sie lebt von ihren Übergängen zwischen offener Kulturlandschaft und historisch geprägtem Grenzraum. Der Wanderer verlässt das Dorf Mechow in nördlicher bis nordöstlicher Richtung auf Feld- und Wirtschaftswegen auf der ausgeschilderten Route. Erste Abschnitte führen durch eine offene Agrarlandschaft. Wanderer halten sich konsequent an die Wegmarkierungen des Mönch-Ernestus-Weges (oft kleine Schilder/Markierungen an Pfählen).
Durch die Niederung der Bäk
Nach etwa 1,5 - 2 km führt der Weg durch die feuchteren Niederungsbereiche rund um den kleinen Bachlauf der Bäk. Hier wird die Landschaft grüner und abwechslungsreicher – mit Wiesen, kleinen Gehölzen und gelegentlich sumpfigen Bereichen. Wiesen, Gräben und vereinzelte Gehölze prägen das Bild, Der Weg kann je nach Jahreszeit weich oder matschig sein. Hier lohnt sich ein kurzer Stopp: Vogelstimmen, offene Wiesen und der Wechsel von trocken zu feucht machen diesen Abschnitt besonders ruhig und naturbelassen. In der Bäk-Niederung können Wege sumpfig sein. Zwischen Mechow und Schlagsdorf keine Infrastruktur.
Annäherung an die ehemalige Grenze
Mit jedem Schritt Richtung Norden kommt der Wanderer näher an die ehemalige Trennung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Der Mönch-Ernestus-Wanderweg folgt teils alten Wirtschaftswegen, die schon vor 1990 existierten. Lange, gerade Wegführungen, offene Schneisen und ungewöhnlich „aufgeräumte“ Landschaftsstrukturen sind typische Relikte der Grenzregion. Auch wenn heute vieles renaturiert ist. Dieser Teil des Der Mönch-Ernestus-Wanderweges bietet kein spektakuläres Panorama, sondern einen langsamen Übergang von der Gegenwart in die Geschichte. Hier geht man buchstäblich durch eine Landschaft, die jahrzehntelang Grenzraum war – und heute wieder zusammengewachsen ist.
● Schlagsdorf (Grenzhus)
Die nächste Etappe ist Schlagsdorf. Hier bietet sich ein Besuch im Grenzhus an.
● Schlagbrügge
Auch Schlagbrügge hat als historischer Ort eine besondere Bedeutung. Hier waren nacheinander das Grenzkommando Schlagbrügge (Deutsche Grenzpolizei) und später eine Konpanie der Grenztruppen der DDR stationiert. Gehard Hofert wurde während seines Grenzdienstes als Angehöriger des Grenzkommandos 1949 bei einer Personenkontrolle erschossen. Er gilt als erster getöteter Grenzer der kurz danach gegründeten DDR.
● Dechow am Lankower See
Die Route führt weiter über Techin am Lankower See. Gleich bei Dechow an der Bundesstraße 208 war die Grenzkompanie Thurow stationiert. Sie lag im Raum der Hauptanstrengung des Grenzbataillons Schattin. Die Ortschaft Lankow (am Lankower See) wurde schrittweise ab Anfang der 1950er-Jahre aufgegeben und 1976 vollständig abgerissen, weil sie unmittelbar im Sperrgebiet lag.
● Röggelin
Röggelin ist ein kleines Dorf im Westen von Mecklenburg-Vorpommern, unweit der Kleinstadt Rehna und nahe der früheren innerdeutschen Grenze. Es gehört heute zur Gemeinde Rehna im Landkreis Nordwestmecklenburg. Der Ort wurde vermutlich im Zuge der deutschen Ostsiedlung im 12./13. Jahrhundert gegründet. Die typische Struktur als Straßen- oder Angerdorf weist darauf hin.
● Demern
Demern ist ein kleines Dorf im Landkreis Nordwestmecklenburg, unweit der Kleinstadt Rehna und nahe der Grenze zu Schleswig-Holstein. Trotz seiner geringen Größe blickt der Ort auf eine lange Geschichte zurück und liegt in einer landschaftlich wie historisch spannenden Region. Demern wurde vermutlich ebenfalls im Zuge der deutschen Ostsiedlung im 12./13. Jahrhundert gegründet. Erste urkundliche Erwähnungen datieren in diese Zeit, oft im Zusammenhang mit kirchlichen Besitzungen. Die Region stand früh unter dem Einfluss geistlicher Institutionen, insbesondere des Klosters Rehna. Wie viele Orte der Gegend war Demern ein typisches Bauerndorf, geprägt von Landwirtschaft und kirchlicher Organisation.
● Rehna (Ziel am Kloster)
Die Klosterstadt Rehna markiert das Ende des Mönch-Ernestus-Wanderweges. Die Wurzeln Rehnas reichen tief in das 12. Jahrhundert zurück, als Siedler aus Hessen hier eine neue Heimat fanden. Im Jahr 1237 erfolgte die offizielle Bestätigung des Klosters durch Bischof Ludolf I. Mit der Reformation kam die Umwandlung der Klosteranlage zu einen Rückzugsort für herzogliche Witwen. 1791 erhielt Rehna Stadtrecht. Siedler aus Hessen hatten hier im 12. Jahrhundert eine neue Heimat gefunden. Ob der Mönch Ernestus nun tatsächlich der legändere Gründer des Klosters Rehna war, bleibt umstritten. Tatsache ist jedoch, dass der Ratzeburger Bischof Ludolf I am 26. Dezember 1237 die junge Klostergründung offiziell bestätigte.
Wer es etwas schneller mag
Die 32 Kilometer des Mönch-Ernestus-Wanderweges haben es natürlich in sich. Wem díe körperliche Anstrengung zu groß oder der zeitliche Aufwand einfach zu lang ist, kann die Stationen auch mit dem Fahrrad, E-Bike, Motorrad oder bequem per Auto abfahren. Dabei lernt man tolle idyllische Orte mit einer großen Vergangenheit sowie eine beeindruckende Landschaft im Biosphärenreservat Schaalsee oder in seiner unmittelbaren Nähe kennen.
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